Genom Austria
Ein Wissenschafts-, Kultur- und Bildungsprojekt zur Erforschung unseres Erbgutes, für die Medizin der Zukunft, im Dienst von Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur.
Genom Austria stellt eine neue Form öffentlicher Genom-Forschung dar. Das Ziel von Genom Austria ist ein offener Dialog über die Bedeutung des menschlichen Genoms für Wissenschaft und Gesellschaft und über den ethischen Umgang mit genetischen Informationen. Genom Austria ist eine Initiative des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien und steht unter dem Ehrenschutz von Margit Fischer.
In der Pilotphase wurden bis Ende 2016 die Genome, das Erbgut, von 20 Freiwilligen sequenziert. Bis jetzt wurden die genetischen Daten und Interpretationen von 10 TeilnehmerInnen mit deren ausdrücklicher Zustimmung im Internet öffentlich zugänglich gemacht. Anhand dieser konkreten Beispiele hat Genom Austria ein „Citizen Science Projekt“ gestartet, mit dem Ziel einen öffentlichen Dialog über die vielfältigen gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Aspekte der Genomsequenzierung anzustoßen, und die Bevölkerung mit den raschen Entwicklungen der neuen Technologie vertraut zu machen.
Da das öffentliche Interesse sehr hoch war und sich viele Freiwillige gemeldet haben, sollte das Projekt fortgesetzt und die Genome von etwa 1000 Freiwilligen aus ganz Österreich sequenziert werden. Diese Datensammlung hätte es ermöglicht, ein österreichisches Referenzgenom zu erstellen, das für medizinische Aspekte von großem Nutzen wäre. Außerdem wäre die Datenbank eine Grundlage für viele wissenschaftliche Projekte verschiedenster Disziplinen sowie für Citizen Science Vorhaben.
Augrund fehlernder Finanzierung musste Genom Austria nach Abschluss der Pilotphase im Juli 2018 jedoch ruhend gestellt werden. Die Website mit den Genomen der Freiwilligen steht Interessierten weiterhin zur Verfügung.
Ziele von Genom Austria
In der im Juli 2018 abgeschlossenen Pilotphase ist es gelungen, einen öffentlichen Dialog zur Rolle des Genoms für den Menschen zu initiieren, zur Entmystifizierung der Genom-Sequenzierung beizutragen, die Bewusstseins- und Meinungsbildung anzustoßen und durch Aufklärung die Sinnlosigkeit genetischer Diskriminierung aufzuzeigen.
Eine Fortsetzung des Projektes mit dem Ziel, anhand der Daten von rund 1000 Freiwilligen ein österreichisches Referenzgenom zu erstellen, das für medizinische Aspekte von großem Nutzen wäre, aber auch eine Grundlage für wissenschaftliche Projekte verschiedenster Disziplinen sowie für Citizen Science Vorhaben wäre, kann aufgrund fehlender Finanzierung derzeit leider nicht realisiert werden.
Genom Austria wurde vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien ins Leben gerufen, um anhand von konkreten Beispielen zu diskutieren, was das Genom für uns Menschen und für die Gesellschaft bedeutet. Freiwillige, in Österreich lebende Personen wurden eingeladen, ihr persönliches Genom analysieren zu lassen und die Daten mit der Allgemeinheit zu teilen. Durch die Veröffentlichung und Diskussion der Daten konnten und können sich die Menschen rechtzeitig und proaktiv mit den vielfältigen biologischen, medizinischen, philosophischen, ethischen, juristischen und sozialen Aspekten der Genomsequenzierung auseinandersetzen.
Ehrenschutz
Genom Austria steht unter dem Ehrenschutz von Margit Fischer, Vorsitzende des Vereins Science Center Netzwerk und Gemahlin des österreichischen Altbundespräsidenten Dr. Heinz Fischer.
Grußbotschaft
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Liebe Genom Austria Interessierte,unsere Gene sind wie eine Sprache. Sie beschreiben uns als Menschen und sie helfen uns zu einem gewissen Grad zu verstehen, wer wir sind und woher wir kommen. Wahrscheinlich werden sie uns in Zukunft auch ermöglichen, Krankheiten früher zu diagnostizieren und besser zu behandeln.
Deshalb arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hart daran, die Sprache der Gene zu verstehen, die wir im Allgemeinen als Erbgut oder Genom bezeichnen. Vieles lässt sich auch heute schon aus dem Genom ablesen. Zum Beispiel, wie groß ein Mensch im Durchschnitt wird, ob eine Frau ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs hat, oder aus welchen Teilen der Welt die Vorfahren kommen.
Aber wir sollten dieses Gebiet nicht ausschließlich den Spezialisten überlassen. Denn das Genom geht uns alle an! Erst wenn wir die Sprache der Gene zumindest ein bisschen verstehen, können wir uns selbst besser erkennen und vielleicht auch gesünder leben. Ich unterstütze Genom Austria, weil es ein Bildungsprojekt ist, das zum Ziel hat, einen „genetischen Alphabetismus“ in unserer Gesellschaft zu verankern.
Dieses öffentliche und gemeinnützige Projekt möchte einen gesellschaftlichen Dialog über die Rolle der Gene und der technischen Möglichkeiten für uns Menschen initiieren. Dazu wird einigen freiwilligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, ihr eigenes Genom sequenzieren zu lassen, anzuschauen und wertfrei zu veröffentlichen. Genetik als eine der Leitwissenschaften des 21. Jahrhunderts muss allen Bürgerinnen und Bürgern offen stehen und verständlich sein.
Genom Austria ist ein nichtkommerzielles, wissenschaftlich-gesellschaftliches Projekt und ist am CeMM, dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie an der Medizinischen Universität Wien angesiedelt. Es wird von einem Beirat für wissenschaftliche, ethische und gesellschaftliche Fragen begleitet. Darüber hinaus freue ich mich, dass eine enge Zusammenarbeit mit dem Verein Science Center Netzwerk besteht, der sich der Vermittlung von Wissen und Wissenschaft verschrieben hat.
Österreich kann auf eine lange und stolze Tradition im Bereich der Naturwissenschaften und der Medizin zurückblicken, und ist auch heute ein internationales Zentrum für exzellente Forschung. Ich freue mich, dass mit Genom Austria, unser Land um ein weiteres innovatives und wegweisendes Projekt bereichert wird, und lade Sie ein sich Ihr eigenes Bild zu machen, und sich über die Initiative zu informieren.
Margit Fischer
Vorsitz
Von 1. September 2016 bis 31. Juli 2018 war Christine Mannhalter, Professorin für Molekulare Diagnostik i.R. der Medizinischen Universität Wien die Vorsitzende von Genom Austria.
Steering Board
Begleitet wurde das Projekt von einem Steering Board bestehend aus renommierten WissenschaftlerInnen:
-
Christiane Druml, Juristin und Vorsitzende der
Bioethik-Kommission beim
Bundeskanzleramt, Leiterin der
medizinischen Sammlungen der MedUni
Wien im Josephinum
-
Markus Hengstschläger,
Vorstand des Instituts für
Medizinische Genetik, Medizinische
Universität Wien
-
Helga Nowotny,
Wissenschaftsforscherin, Vorsitzende
des ERA Council Forum
-
Michael Speicher,
Mediziner und Vorsitzender der
Österreichischen Gesellschaft für
Humangenetik
- Giulio Superti-Furga, Molekularbiologe und Wissenschaftlicher Direktor des CeMM, Projektverantwortlicher und Vorsitzender des Steering Boards
Das Team
Genom Austria wurde in der im Juli 2018 abgeschlossenen Pilotphase von WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien organisiert.
Projektteam Genom Austria:
-
Christoph Bock (Principal Investigator,
CeMM): Projektleitung und
Genomanalyse
-
Christoph Binder (Facharzt für Labordiagnostik,
MedUni Wien): Medizinische
Projektleitung
-
Kaan Boztug (Facharzt für
Kinderheilkunde): Expertise im
Bereich seltener Erkrankungen
-
Ulrich Jäger (Leiter der
Abteilung für Hämatologie und
Hämostaseologie, MedUni Wien
& AKH): Blutabnahme
-
Franco Laccone (Facharzt
für Humangenetik, MedUni Wien):
Humangenetische Expertise
-
Thomas Perkmann (Leiter
der Biobank, MedUni Wien):
Probenlogistik
- Elisabeth Simböck (Molekularbiologin, CeMM): Projektassistentin
Beirat für wissenschaftliche, ethische und gesellschaftliche Fragen
Besonderer Dank gilt den WissenschaftlerInnen der verschiedensten Disziplinen, die zur erfolgreichen Umsetzung der Pilotphase von Genom Austria wesentlich beigetragen haben.
Medizinische Genetik
-
Hans-Christoph Duba, Landes-
Frauen- und Kinderklinik Linz
- Johannes Zschocke, Medizinische Universität Innsbruck
Pharmakogenomik und Personalisierte Medizin
- Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien
Spezialisten anderer medizinischer und biologischer Fächer
-
Meinrad Busslinger, Institut
für Molekulare Pathologie, IMP Wien
-
Gabriele Fischer,
Medizinische Universität Wien
- Christina Peters, St. Anna Kinderspital
Ethik, Philophie und Recht
-
Matthias Beck, Universität
Wien
-
Walter Berka, Universität Salzburg, ÖAW
-
Ulrich Körtner, Medizinische Universität Wien
- Michael Nentwich, Institut für Technikfolgenabschätzung, ITA, ÖAW
Wissenschaft und Gesellschaft
-
Barbara Horejs,
Institut für
Orientalische und Europäische
Archäologie, ÖAW
-
Ulrike Felt, Universität Wien
- Barbara Prainsack, King´s College London
Kunst und Kultur
-
Peter Pakesch,
Universalmuseum Joanneum Graz
- Eva Schlegel, Künstlerin
Konzeption
Genom Austria ist ein Projekt des CeMM Forschungszentrums für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit der Medizinischen Universität Wien. Durch die Mitgliedschaft im Global Network of Personal Genome Projects (PersonalGenomes.org) hat sich Genom Austria den folgenden Prinzipien verpflichtet:
Die Grundsätze von Genom Austria
-
Freie Veröffentlichung der
Genomdaten.
Genom Austria kann seine
Ziele
nur erreichen, wenn
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
ihre Genomdaten sowie weitere
persönliche Informationen der
weltweiten Öffentlichkeit
freiwillig zur Verfügung
stellen. An Genom Austria
sollten nur Personen teilnehmen,
die solch persönliche
Informationen aus altruistischen
Motiven öffentlich verfügbar
machen wollen.
-
Keine Garantie auf
Anonymität.
Die Daten werden unter einem
Pseudonym veröffentlicht, aber
dieses Pseudonym kann unter
Umständen "geknackt"
werden. Wir wissen heute, dass
bereits wenige Daten ausreichen
können, um eine Einzelperson mit
hoher Wahrscheinlichkeit zu
identifizieren (z.B.
Postleitzahl, Geburtstag und
Geschlecht). Kaum etwas macht
uns jedoch so eindeutig
identifizierbar wie unser Genom.
Aus diesem Grund können wir den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern
von Genom Austria nicht
garantieren, dass ihre Daten
anonym bleiben. Wir glauben
daher, dass die ehrlichste und
beste Lösung darin besteht,
Personen aufzuklären und ihr
Einverständnis einzuholen, ihre
Daten ohne Zusicherung von
Anonymität oder Vertraulichkeit
der Öffentlichkeit zur Verfügung
zu stellen.
-
Rückmeldung der
Ergebnisse.
Alle TeilnehmerInnen haben die
Möglichkeit, der
Veröffentlichung ihrer Daten zu
widersprechen und ihre Teilnahme
am Projekt zu beenden, bevor die
Ergebnisse online verfügbar
gemacht werden. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer
von Genom Austria erhalten ihre
Genomdaten und auf Wunsch eine
Interpretation ihres Genoms auf
Grundlage des aktuellen
Forschungsstands. Besonders
betonen wollen wir, dass jede
Interpretation der Daten nur
eine Auswahl von Eigenschaften
darstellt, immer vorläufig ist
und fehlerbehaftet sein kann. Da
das Wissen um gewisse genetische
Eigenschaften psychische und
körperliche Auswirkungen haben
kann, sollten nur Personen, die
trotz dieses Risikos die
Interpretation ihrer Anlagen
kennen wollen, sich diese Daten
wünschen.
-
Nichtkommerziell und
gemeinnützig.
Genom Austria ist ein
nichtkommerzielles und
gemeinnütziges
Forschungsprojekt. Eine spätere
Kommerzialisierung des Projektes
und seiner Daten ist
ausgeschlossen, d.h. Daten
werden nicht verkauft! Das CeMM
Forschungszentrum stellte eine
Anstoßfinanzierung für das
Projekt zur Verfügung. Für die
Folgephase von Genom Austria ist
geplant, das Projekt durch
Spenden und durch
wissenschaftliche
Projektförderungen zu
finanzieren. Es werden keine
finanziellen Vergütungen,
Aufwandsentschädigungen oder
sonstige materielle Vorteile
gewährt, da die Teilnahme auf
einer bewussten, freiwilligen
und unbeeinflussten Entscheidung
der Studienteilnehmer beruhen
soll.
- Integrativ und dialogorientiert. Genom Austria bemüht sich um eine breite Diskussion der wissenschaftlichen, ethischen und kulturellen Grundlagen dieses Projektes und der Genomanalyse im Allgemeinen. Dazu besteht nicht nur eine Kooperation mit WissenschaftlerInnen der unterschiedlichsten Fachrichtungen, vor allem sollen auch Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung die Möglichkeit bekommen, mitzumachen, ihre Meinung zu äußern und zum öffentlichen Dialog rund um Genom Austria beizutragen.
Internationales
Genom Austria ist Mitglied im Global Network of Genome Projects ( PersonalGenomes.org), das von der Harvard-Universität, in den USA initiiert wurde.
Das erste Personal Genome Project ( http://www.personalgenomes.org/harvard) wurde 2005 vom Genomik-Pionier George Church gegründet. Nach zwei erfolgreichen Pilotstudien mit namentlich bekannten Personen hat die Ethik-Kommission der Harvard Medical School 2008 die Ausweitung des Projekts auf 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer genehmigt. Genom Austria baut auf den Erfahrungen des Personal Genome Project auf und ist Teil des globalen Forschungsnetzwerks. 2012 wurde ein kooperierendes Projekt am Hospital for Sick Children in Toronto, Kanada gegründet, 2013 ein Personal Genome Project am University College London, England ins Leben gerufen.
Genom Austria möchte zu einer weiteren Internationalisierung des Projektes beitragen und eigene Akzente im Bereich Bildung und im öffentlichen Dialog setzen. Darüber hinaus möchte das Projekt Österreich im globalen Dialog über die Relevanz und sinnvolle Nutzung von Genom-Daten eine Stimme geben.
Rechtliches
Genom Austria ist ein öffentliches und gemeinnützige Forschungs- und Kulturprojekt. Das Projekt ist unabhängig von Lobbygruppen und politischen Parteien. Wenn wir uns Gewinn von Genom Austria erhoffen, dann Erkenntnisgewinn und keine finanziellen Vorteile. Das Projekt wurde von der Ethik-Kommission der Medizinischen Universität Wien eingehend geprüft und als rechtlich und ethisch vertretbar genehmigt. Das Projekt wird von einem Steering Board bestehend aus renommierten WissenschaftlerInnen begleitet und von einem hochkarätig besetzten Beirat beraten.
Gesetzliche Grundlagen
Die Analyse von genetischen und genomischen Daten wird in Österreich im Wesentlichen durch das Gentechnikgesetz (GTG) reguliert. Das GTG spezifiziert in § 66, Absatz 1, dass „[g]enetische Analysen am Menschen für wissenschaftliche Zwecke und zur Ausbildung […] nur mit ausdrücklicher und schriftlicher Zustimmung des Probenspenders“ durchgeführt werden dürfen. Dieser Passus trifft auf Genom Austria zu, da es sich um ein Forschungsprojekt und nicht um medizinische Diagnostik handelt. Die ausdrückliche und schriftliche Zustimmung der TeilnehmerInnen bei Genom Austria ist sichergestellt. Darüber hinaus spezifiziert das GTG in § 71, Absatz 1, dass die „die dabei gewonnenen personenbezogenen Daten geheim zu halten“ sind, wobei jedoch auf die Möglichkeit hingewiesen wird, dass die Daten an andere Personen weitergegeben werden können, „soweit die untersuchte Person hierzu ausdrücklich und schriftlich zugestimmt hat, wobei ein schriftlicher Widerruf dieser Zustimmung jederzeit möglich ist“. Dementsprechend hat der Teilnehmer oder die Teilnehmerin im Rahmen des GTG die Möglichkeit, die zu Forschungswecken gemäß § 66, Absatz 1 gewonnenen Daten mit beliebigen weiteren Personen zu teilen und sie im Extremfall sogar öffentlich verfügbar zu machen. Genom Austria veröffentlicht Genomdaten nur auf explizite Aufforderung durch die TeilnehmerInnen.
Freiwilligkeit
Das offensichtlichste Risiko, dem sich die TeilnehmerInnen von Genom Austria aussetzen, ist die persönliche Identifikation durch Dritte, die korrekte oder fehlerhafte Analyse und Interpretation der genetischen und sonstigen Daten und eine daran anschließende Diskriminierung. Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es Bemühungen, alle BürgerInnen vor genetischer Diskriminierung zu schützen. Viele internationale Abkommen der letzten Jahre richten sich explizit gegen Diskriminierung, die auf genetischen Daten beruht. So untersagt Artikel 21 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union „jegliche Diskriminierung aufgrund (...) genetischer Merkmale“, und auch das Übereinkommen des Europarats über Menschenrechte und Biomedizin (Artikel 11) und die Allgemeine Erklärung der UNESCO über das menschliche Genom und Menschenrechte (Artikel 6) verbieten eine solche Diskriminierung. In Österreich verbietet das Gentechnikgesetz Arbeitgebern und Versicherern, Ergebnisse von genetischen Analysen zu erheben, zu verlangen, anzunehmen oder zu verwerten (§ 67). Hierunter fallen auch die genetischen Analysen von Genom Austria. Die TeilnehmerInnen sind deswegen aber nicht völlig vor Diskriminierung geschützt. Zum einen sind alle vorhandenen Vorschriften relativ neu und vor Gericht noch wenig erprobt. Zum anderen ist die Gesetzeslage in vielen Ländern weniger klar als in Österreich, während die Daten weltweit verfügbar sind. Hieraus können sich nach einem Umzug ins Ausland gegebenenfalls Probleme ergeben. Außerdem gilt wie bei allen Formen der Diskriminierung, dass sie oft schwer nachzuweisen ist.
Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen zur rechtlichen Situation von Genom Austria und der freiwilligen Teilnahme an diesem Projekt finden die folgenden konkreten Punkte Anwendung:
- Genom Austria ist ein gemeinnütziges Forschungsprojekt des CeMM, und es gelten soweit anwendbar dieselben Grundsätze, die auch für andere Forschungsprojekte CeMM gelten.
- Weitere Details zu den Risiken und Bedingungen einer Teilnahme an Genom Austria sind in den Studienunterlagen und der Einwilligungserklärung für eine Teilnahme genannt.
- Genom Austria ist Mitglied im internationalen Netzwerk von persönlichen Genom-Projekten (PersonalGenomes.org). Es gelten die gleichen Grundsätze (siehe http://personalgenomes.org/tos), soweit diese anwendbar sind und sie anderen auf dieser Webseite und den Studienunterlagen genannten Bedingungen nicht widersprechen.
- Die Daten, die durch Genom Austria erhoben werden, sind ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke gedacht. Aufgrund der verwendeten Technologien ist eine gewisse Fehlerrate nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidlich.
- Unter keinen Umständen dürfen Daten von Genom Austria ohne Validierung durch einen behandelnden Arzt für die Diagnose von Krankheiten oder für andere medizinische Zwecke eingesetzt werden. Sollte sich aus den Daten oder aus der Kommunikation rund um Genom Austria das Bedürfnis oder die Notwendigkeit einer medizinischen Entscheidung, Behandlung oder Betreuung ergeben, dann muss dies über einen behandelnden Arzt geschehen. Genom Austria ist ein Forschungsprojekt und wird nie medizinisch tätig werden, auch wenn einige im Projekt mitarbeitenden Personen Ärzte sind.
- Wenn Sie Daten an Genom Austria übermitteln, dann gewähren Sie uns dadurch Rechte an diesen Daten, zum Beispiel zur Speicherung und – soweit von Ihnen autorisiert – zur Veröffentlichung der Daten gemäß den Prinzipien von Genom Austria.
- Sie dürfen keine Daten oder sonstige Materialien an Genom Austria übermitteln, an denen Sie keine Rechte haben oder die aus anderem Grund illegal sind.
- Falls Sie sich entscheiden, Geld an Genom Austria zu spenden, dann handelt es sich hierbei um eine an das CeMM gerichtete Spende für die wissenschaftliche Forschung. Daraus resultiert kein Anspruch auf bestimmte Produkte oder Dienstleistungen.
- Alle Inhalte und Dienstleistungen von Genom Austria werden ohne Garantie und mit dem Hinweis „nur zu Forschungszwecken“ zur Verfügung gestellt.
Sollten einzelne Bestimmungen unwirksam oder undurchführbar sein oder werden, bleibt davon die Wirksamkeit aller anderen Bestimmungen unberührt. An die Stelle der unwirksamen oder undurchführbaren Bestimmung soll diejenige wirksame und durchführbare Regelung treten, deren Wirkungen der Zielsetzung am nächsten kommen, die mit der unwirksamen bzw. undurchführbaren Bestimmung verfolgt wurde. Die vorstehenden Bestimmungen gelten entsprechend für den Fall, dass sich die Bestimmungen als lückenhaft erweisen. Es ist österreichisches Recht anwendbar, soweit nicht ausdrücklich etwas anderes geregelt ist. Gerichtstand ist das Bezirksgericht Wien-Innere Stadt.
Rückfragen
Wenn Sie Fragen oder Bedenken bezüglich dem Projekt, dieser Website oder der Teilnahme an Genom Austria haben, falls Sie unter Problemen leiden, die möglicherweise durch Ihre Teilnahme entstanden sind, oder falls Sie in anderer Hinsicht Diskussionsbedarf sehen, dann können Sie jederzeit Kontakt mit dem Projektteam von Genom Austria aufnehmen, info@genomaustria.at.